Sonntags in der Wippe

Im Zeitalter ohne Autos aber mit viel Glauben, war es üblich, dass manche Wipperaner Sonntags zur Kirche pilgerten. Man putzte sich heraus mit weißem Hemd, schwarzem Anzug, Hut und Stock. Damit sich dieser Aufwand lohnte, ging man nach der Kirche in die Kneipe zum Frühschoppen. Ein Vertreter der Spezies "Wipperaner" hatte nach diesen dringlichen Tätigkeiten eine ureigene Angewohnheit. Er nahm wohl den sonntäglichen Frühschoppen ernster als den vorherigen Kirchgang mit entsprechendem Erfolg: auf dem langen Weg nach Hause durch den dunklen einsamen Wald legte er nach und nach seine Kleidungsstücke ab. Für diese Tätigkeit blieben ihm ca. 200 m "Zeit", jedoch wurde diese Zeit mit Sicherheit um bestimmt 50 m verlängert wegen der man stelle es sich vor - vorliegenden Gangunsicherheit. 
Das Ergebnis war sehr effektiv, da er zu Hause bereits bettfertig ankam. Die Ehefrau kannte dieses Ritual und fand sich damit ab. Kurzerhand wurden die Kinder losgeschickt, um die wertvolle Sonntagskleidung schonend wieder einzusammeln. Dies soll, nach mündlicher Überlieferung, tatsächlich so gewesen sein. Gemeinsame Kirchgänge sind heute zwar nicht mehr üblich, aber in manchen Nächten wird manchem Wipperaner der Weg nach Hause mindestens so lang wie unserem Ureinwohner.